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Romero Lubambo: Setembro ( Solo Gitarre)

Edition Longplay EL14 (LP 180g)  

Man könnte ihn als Fackelträger bezeichnen: Als Verwalter der großen Kunst von Meistern wie Laurindo Almeida, Baden Powell, Antonio Carlos Jobim, João Gilberto, Luiz Bonfá. Doch der 1955 in Rio de Janeiro geborene, seit 1985 in den USA lebende Gitarrist ist nicht einfach ein Erbe, sondern ein Stilist von eigenem Rang, ohne Frage einer der größten Meister der brasilianische Gitarre. Astrud Gilberto, Michael Brecker, Al Jarreau, Harry Belafonte, Herbie Mann, Dizzy Gillespie, Flora Purim, Grover Washington jr. – die Liste namhafter Kollegen, mit denen er tourte oder auf deren Platten er zu hören ist, ist so lang wie klangvoll. Dianne Reeves nannte Lubambo ihren "brother from another mother", so gut paßte sein so subtiles wie prägnantes Spiel zu ihrer Stimme und ihren musikalischen Vorstellungen. In ihrer Band trat er denn auch anno 2001 erstmals auf dem von Rainer Haarmann kuratierten Jazz Baltica-Festival auf; es war der Anfang einer engen Freundschaft zwischen dem Musiker und dem Veranstalter. So war es denn auch Lubambo selbst, der spontan den Wunsch äußerte, für Haarmanns Vinyl-Only-Label ein Album aufzunehmen – überflüssig zu sagen, daß er damit eine offene Tür einrannte. Die Aufnahmen fanden im Dezember 2014 in New York statt; das Ergebnis ist eine der raren Gelegenheiten, Lubambos Tonkunst gänzlich ungefiltert zu erleben – tritt er doch meist als Ensemblemitglied oder Leader seines eigenen Trios in Erscheinung. Hier ist er unbegleitet, und man darf hier wohl von einer Transzendenz des Gitarrespiels sprechen: Immer wieder scheint es (Marcos Valles "Presciso aprender a ser so" ist ein besonders schönes Beispiel dafür), als würde Lubambos Instrument direkt zu einem sprechen. Eine Ausnahme-LP: Gitarrenplatten wie diese gibt es nur alle Jubeljahre einmal. Und das Edition Longplay-Konzept der Verbindung von Musik und bildender Kunst erlebt hier auch einen besonderen Höhepunkt: Elsbeth Arlts eigens für diese LP angefertigte Wasserfarben-Arbeit "Close Your Eyes" könnte kaum besser zu Lubambos Gitarren-Erzählungen passen…

 

Janis Obodda

Magazin HiFi-Stars 28/15